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Januar |
| Bericht des Ungarischen Roten Kreuzes
(URK) ans DDR-Außenministerium, aufgefunden in Akten der Rechtsstelle
des MfS,
Signatur Rechtsstelle 100 (2 Seiten). Details zur Versorgung der Flüchtlinge, die in Ungarn ausharrten und den Zusicherungen der DDR-Regierung über Straffreiheit und schnelle Ausreise nicht trauten. |
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| Spitzelbericht von Wolfgang
Schnur alias IMB
"Dr. Schirmer" an die Abt.4 der Hauptabteilung
XX, Signatur AIM 3275/90 (8 Seiten). Wegen der Masse seiner Berichte, v.a. an die HA XX/4, war Schnur 1990 rasch als Spitzel identifiziert. Er prägte den mittlerweile klassischen Satz: "Ich habe niemandem geschadet" — eine Behauptung, die sich hier wie in praktisch allen ähnlichen Fällen als plumpe Lüge (oder Selbstbetrug) erwies. |
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Vermerk der HA
IX über Verfahrensweise und Kosten bei der "Rückführung"
von Autos, die Flüchtlinge in Ungarn zurückließen, Signatur
HA IX 11385 (2 Seiten). Der Unterzeichner, Oberstleutnant Osterloh, hat an der JHS promoviert und war nach der Wende Anwalt in Berlin, u.a. als Verteidiger früherer SED-/MfS-Größen. |
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| ADN-Information ("Interne
Dienstmeldung") über Zugeständnisse der DDR-Führung
an umkehrwillige Flüchtlinge, Signatur Rechtsstelle 1084
(2 Seiten). Das Dokument weist auch auf den seltsamen Charakter der "Nachrichtenagentur" ADN hin: Sie produzierte mehr Geheimnisse als veröffentlichte Meldungen. |
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| Information 412/89 der
ZAIG, Signatur ZAIG 3763
(3 Seiten). Auch im September demonstrierten am Siebten des Monats wieder Hunderte von Menschen gegen die Wahlfälschung vom 7. Mai. |
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| Analyse der Gründe für das
massenhafte Verlassen des Landes, aus dem Sekretariat des Stellvertretenden
Ministers Mittig,
Signatur Sekr. Mittig 27 (11 Seiten). Im Nachhinein behaupteten viele MfS-Leute, ihre "umfassenden Informationen" wären von der SED-Führung nicht gewürdigt worden. Obige Seiten lassen ahnen, warum das stimmen könnte. Für eine bedachte Reaktion war es längst zu spät; und vielleicht hatte das MfS zuvor einfach zuviel an derartigen Papieren produziert. |
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| Außerhalb der üblichen Klassifikation
verfasste eilige Information der ZAIG
über den Grenz-Fall in Ungarn, Signatur ZAIG 14398 (4 Seiten). Das "Loch im Eisernen Vorhang" war nun nicht mehr zu stopfen: Die folgende Sperrung der "grünen Grenze" zur CSSR (d.h. Richtung Ungarn) blieb weitgehend erfolglos. |
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| Notiz der Hauptabteilung
VII, aufgefunden in Akten der HA
IX, Signatur HA IX 11389 (2 Seiten + 2 Seiten BStU-Abschrift). Beim — nicht gewählten — Berliner Oberbürgermeister E. Kraack wurde über die schnelle Neuvergabe von Flüchtlingswohnungen beraten; Wohnraum war extrem knapp. |
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| Weisung (VVS MfS o008 - 61/89)
des Ministers
für Staatssicherheit, aufgefunden im Arbeitsbereich
des Stellvertreters
Neiber,
Signatur AB.
Neiber 364 (5 Seiten). Wie schon am 10./11.9. beabsichtigt, wurde nun die Grenze zur CSSR faktisch geschlossen. Verstärkte Vorfeldkontrollen traten in Kraft. |
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| Spitzelbericht einer Kontaktperson
(KP "Ralf") an Leutnant Lange von der Kreisdienststelle (KD)
Schwerin,
Signatur Schwerin 5280 (2 Seiten). Um sich als Denunziant zu betätigen, war nicht unbedingt eine IM-Verpflichtung nötig. Besonders BRD-Bürger wurden statt dessen oft als "Kontaktpersonen" geführt. |
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| MfS-interne
Dokumentation und Abrechnung zu einem Auftrag, den der IME
"Grafiker" für die Stasi
in Westberlin
durchführte, Signatur AIM XX 2181/91 (11 Seiten). "Grafiker" (Reg.-Nr. XV 5577/82) erhielt die für Durchschnittsbürger traumhafte Summe von 300 DM zur freien Verfügung, die er auch großzügig "abrechnete". |
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| Information 399/89
der ZAIG zur Lage im Gesundheitswesen,
Signatur ZAIG 3796 (8 Seiten). Die laut SED-Propaganda "vorbildliche" kostenlose Gesundheitsversorgung stand vor dem Kollaps. Gründe: Jahrelange Vernachlässigung und extremer Personalmangel. |
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| Einschätzung der BV
Schwerin/Abt.
XX zur Lage bei Ost-West-Städtepartnerschaften im Bezirk,
aus Akten der KD Schwerin,
Signatur Schwerin 5282 (6 Seiten). Die offiziell erwünschten Städtepartnerschaften wurden inoffiziell intensiv vom MfS überwacht. Manch BRD-Kommunalpolitiker kam dadurch zu einer Stasi-Akte. |
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| 19.9. | |||||
| Information 140/89 des
Leiters der BV
Suhl/Büro
der Leitung, und Notiz der HA
XX/AKG; Signaturen BV Suhl BdL 140/89 und HA
XX/AKG 5706 (4+2 Seiten). Reaktionen zum ND-Artikel über angeblichen "Menschenhandel" (ein MITROPA-Kellner sei mit einer Mentholzigarette [!] betäubt und in den Westen verschleppt worden). Die Räuberpistole bewirkte landesweit Heiterkeit, selbst stramme SED-Genossen schämten sich für ihr "Zentralorgan", das sich spätestens jetzt endgültig diskreditiert hatte. |
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| 20.9. | |||||
| Information A/035788/20/09/89/01
der Hauptabteilung
III, aufgefunden in den Akten der HA
XX/Abt. 4, Signatur HA XX/4 3018 (2 Seiten). Nach jahrzehntelanger Zurückhaltung der katholischen Kirche in der DDR in politischen Fragen begann nun eine Annäherung an die West-SPD. |
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| 21.9. | |||||
| Weiterer Treffbericht
mit Informationen des IMB
"Dr. Schirmer" (Wolfgang
Schnur) an die HA
XX/4, Signatur [Rostock]
AIM 3275/90 (5+5 Seiten). Schnur lieferte das gerade verfasste Gründungspapier des "Demokratischen Aufbruchs" (DA; Anlage) mit. Der IM und spätere DA-Vorsitzende war "federführend" beteiligt. |
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| 22.9. | |||||
| Chiffriertes Fernschreiben
des Ministers
Mielke
an die Leiter der BV
mit einer Dienstanweisung als Anlage, Signatur BV Dresden
Stellv. Operativ 4 (1+2 Seiten). Das MfS erwartete etliche Neubildungen von "Zusammenschlüssen", die es zu bekämpfen suchte — entgegen der Verfassung, die Vereinigungsfreiheit versprach. |
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| 23.9. | |||||
| Dokument aus der BV
Dresden
über die Anordnung der vollen Dienstbereitschaft durch den
Minister
Mielke,
Signatur BV Dresden Stellv. Operativ 4 (6 Seiten). Die MfS-Spitze erkannte den Ernst der Lage richtig und war kampfbereit. Dem friedlichen Widerstand der Bürger hatte sie letztlich aber nichts entgegenzusetzen. |
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| 25.9. | |||||
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Treffbericht aus der Abt.
8 der Hauptabteilung
XXII über eine Unterredung mit dem IMS
"Kosmos", Signatur AIM 186/91 (3 Seiten). Eigentlich für BRD-"Extremismus" zuständig, sammelte die HA XXII/8 auch in der DDR emsig Stimmungsberichte. Immer noch Thema: der "Menschenhandel" (s. 19.9.). |
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| 26.9. | |||||
| Information der Hauptabteilung
XX/AKG über Aktivitäten von Vertretern des "Neuen
Forums", Signatur HA XX/AKG 5624 (3 Seiten). Die Gründer der als Sammlungsbewegung gedachten Vereinigung fanden sich mit der Ablehnung ihres Zulassungsantrags nicht ab. Wochen später hatten sie Erfolg. |
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| 27.9. | |||||
| In Akten der für die "Bearbeitung"
der Westjournalisten zuständigen Abt. 13 der Hauptabteilung
II abgelegter Vermerk der ZAIG,
Signatur HA II/13 1796 (1 Seite). Laut einem RIAS-Bericht forderte eine DDR-Bürgergruppe die Abschaffung des § 213 StGB (Republikflucht) wegen juristischer Bevorzugung der Ungarn-Flüchtlinge. |
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| 28.9. | |||||
| Information 93/89 der AKG
der BV
Magdeburg
zur Stimmungsentwicklung in der Bevölkerung, Signatur BV Magdeburg
AKG 81 (4 Seiten, vgl. beim 6.9.). Die Ablehnung der Zulassungsanträge des Neuen Forums u.a. Gruppen bewirkte nicht Resignation, sondern Solidarisierung und immer mutigere Aktionen: Das war neu! |
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| Chiffriertes Fernschreiben
(CFS) der MfS-Zentrale
an alle BV-Leiter,
aufgefunden in Akten der BV
Schwerin,
Signatur BV Schwerin Ltr.BV 16 (2 Seiten). Die Information richtete sich an die BKG (d.h. ZKG-Strukturen der Bezirke), deren Aufgabe das Zurückdrängen der Fluchtbewegung war. Ein zunehmend sinnloser Kampf. |
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Information
der Abt. XX der BV
Halle
über Planungen zu Veranstaltungen des Schriftstellerverbands im Bezirk,
Signatur BV Halle/AKG Sachakte 2927 (1 Seite). Die Vermutung, dass politische Fragen thematisiert würden, bewog das MfS zum Einsatz diverser operativer Mittel und Kräfte (IM) — inklusive Überwachungstechnik. |
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