[HT] Die Tägliche Stasiakte: MfS-Dokumente zu (fast) jedem Tag des Jahres.

 

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DIE  GRÖSSTE  STASI-AKTENSAMMLUNG  IM  WWW   —   MfS-DOKUMENTE  ZU  FAST  JEDEM  TAG  DES  JAHRES
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1.9. 
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Bericht des Ungarischen Roten Kreuzes (URK) ans DDR-Außenministerium, aufgefunden in Akten der Rechtsstelle des MfS, Signatur Rechtsstelle 100 (2 Seiten).
Details zur Versorgung der Flüchtlinge, die in Ungarn ausharrten und den Zusicherungen der DDR-Regierung über Straffreiheit und schnelle Ausreise nicht trauten.

2.9. 

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Spitzelbericht von Wolfgang Schnur alias IMB "Dr. Schirmer" an die Abt.4 der Hauptabteilung XX, Signatur AIM 3275/90 (8 Seiten).
Wegen der Masse seiner Berichte, v.a. an die HA XX/4, war Schnur 1990 rasch als Spitzel identifiziert. Er prägte den mittlerweile klassischen Satz:
"Ich habe niemandem geschadet" — eine Behauptung, die sich hier wie in praktisch allen ähnlichen Fällen als plumpe Lüge (oder Selbstbetrug) erwies.

4.9. 

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Vermerk der HA IX über Verfahrensweise und Kosten bei der "Rückführung" von Autos, die Flüchtlinge in Ungarn zurückließen, Signatur HA IX 11385 (2 Seiten).
Der Unterzeichner, Oberstleutnant Osterloh, hat an der JHS promoviert und war nach der Wende Anwalt in Berlin, u.a. als Verteidiger früherer SED-/MfS-Größen.

5.9. 
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ADN-Information ("Interne Dienstmeldung") über Zugeständnisse der DDR-Führung an umkehrwillige Flüchtlinge,  Signatur Rechtsstelle 1084 (2 Seiten).
Das Dokument weist auch auf den seltsamen Charakter der "Nachrichtenagentur" ADN hin:  Sie produzierte mehr Geheimnisse als veröffentlichte Meldungen.

6.9. 
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Information 83/89 der AKG der BV Magdeburg,  Signatur BV Magdeburg AKG 96 (5 Seiten).
Die Aktivitäten der Gruppe um Markus Meckel zur Gründung einer DDR-SPD nahmen immer konkretere Züge an. Das MfS blieb erstaunlich passiv.

7.9. 
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Information 412/89 der ZAIG, Signatur ZAIG 3763 (3 Seiten).
Auch im September demonstrierten am Siebten des Monats wieder Hunderte von Menschen gegen die Wahlfälschung vom 7. Mai.

8.9. 
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CFS (chiffriertes Fernschreiben) der BV Gera — Generalmajor Dangrieß — vom Büro der Leitung (BdL), Signatur BV Gera BdL 1201 (6 Seiten).
Im Anhang der Brief der evangelischen Kirchenleitung an Honecker, der wegen seiner klaren Worte in der SED-Spitze für Wirbel sorgte (vom 2.9.).

9.9. 
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Analyse der Gründe für das massenhafte Verlassen des Landes, aus dem Sekretariat des Stellvertretenden Ministers Mittig, Signatur Sekr. Mittig 27 (11 Seiten).
Im Nachhinein behaupteten viele MfS-Leute, ihre "umfassenden Informationen" wären von der SED-Führung nicht gewürdigt worden.  Obige Seiten lassen ahnen,
warum das stimmen könnte. Für eine bedachte Reaktion war es längst zu spät;  und vielleicht hatte das MfS zuvor einfach zuviel an derartigen Papieren produziert.

10.9. 
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Dokument aus den Akten der ZAIG — Brief des DDR-Botschafters in Ungarn an Außenminister Oskar Fischer —, Signatur ZAIG 14398 (8 Seiten).
Ungarn öffnete in jener Nacht die Grenze zu Österreich für die ausreisewilligen Ostdeutschen:  Startschuss für die letzte Phase der SED-Macht in der DDR.

11.9. 
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Außerhalb der üblichen Klassifikation verfasste eilige Information der ZAIG über den Grenz-Fall in Ungarn, Signatur ZAIG 14398 (4 Seiten).
Das "Loch im Eisernen Vorhang" war nun nicht mehr zu stopfen: Die folgende Sperrung der "grünen Grenze" zur CSSR (d.h. Richtung Ungarn) blieb weitgehend erfolglos.

12.9. 
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Notiz der Hauptabteilung VII, aufgefunden in Akten der HA IX, Signatur HA IX 11389 (2 Seiten + 2 Seiten BStU-Abschrift).
Beim — nicht gewählten — Berliner Oberbürgermeister E. Kraack wurde über die schnelle Neuvergabe von Flüchtlingswohnungen beraten; Wohnraum war extrem knapp.

13.9. 
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Weisung (VVS MfS o008 - 61/89) des Ministers für Staatssicherheit, aufgefunden im Arbeitsbereich des Stellvertreters Neiber, Signatur AB. Neiber 364 (5 Seiten).
Wie schon am 10./11.9. beabsichtigt, wurde nun die Grenze zur CSSR faktisch geschlossen. Verstärkte Vorfeldkontrollen traten in Kraft.

14.9. 
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Spitzelbericht einer Kontaktperson (KP "Ralf") an Leutnant Lange von der Kreisdienststelle (KD) Schwerin, Signatur Schwerin 5280 (2 Seiten).
Um sich als Denunziant zu betätigen, war nicht unbedingt eine IM-Verpflichtung nötig. Besonders BRD-Bürger wurden statt dessen oft als "Kontaktpersonen" geführt.

15.9. 
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MfS-interne Dokumentation und Abrechnung zu einem Auftrag, den der IME "Grafiker" für die Stasi in Westberlin durchführte, Signatur AIM XX 2181/91 (11 Seiten).
"Grafiker" (Reg.-Nr. XV 5577/82) erhielt die für Durchschnittsbürger traumhafte Summe von 300 DM zur freien Verfügung, die er auch großzügig "abrechnete".

16.9. 
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Information 399/89 der ZAIG zur Lage im Gesundheitswesen, Signatur ZAIG 3796 (8 Seiten).
Die laut SED-Propaganda "vorbildliche" kostenlose Gesundheitsversorgung stand vor dem Kollaps. Gründe: Jahrelange Vernachlässigung und extremer Personalmangel.

18.9. 
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Einschätzung der BV Schwerin/Abt. XX  zur Lage bei Ost-West-Städtepartnerschaften im Bezirk, aus Akten der KD Schwerin, Signatur Schwerin 5282 (6 Seiten).
Die offiziell erwünschten Städtepartnerschaften wurden inoffiziell intensiv vom MfS überwacht. Manch BRD-Kommunalpolitiker kam dadurch zu einer Stasi-Akte.

19.9. 
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Information 140/89 des Leiters der BV Suhl/Büro der Leitung, und Notiz der HA XX/AKG;  Signaturen BV Suhl BdL 140/89 und HA XX/AKG 5706 (4+2 Seiten).
Reaktionen zum ND-Artikel über angeblichen "Menschenhandel" (ein MITROPA-Kellner sei mit einer Mentholzigarette [!] betäubt und in den Westen verschleppt worden).
Die Räuberpistole bewirkte landesweit Heiterkeit, selbst stramme SED-Genossen schämten sich für ihr "Zentralorgan", das sich spätestens jetzt endgültig diskreditiert hatte.

20.9. 
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Information A/035788/20/09/89/01 der Hauptabteilung III, aufgefunden in den Akten der HA XX/Abt. 4, Signatur HA XX/4 3018 (2 Seiten).
Nach jahrzehntelanger Zurückhaltung der katholischen Kirche in der DDR in politischen Fragen begann nun eine Annäherung an die West-SPD.

21.9. 
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Weiterer Treffbericht mit Informationen des IMB "Dr. Schirmer" (Wolfgang Schnur) an die HA XX/4, Signatur [Rostock] AIM 3275/90 (5+5 Seiten).
Schnur lieferte das gerade verfasste Gründungspapier des "Demokratischen Aufbruchs" (DA; Anlage) mit. Der IM und spätere DA-Vorsitzende war "federführend" beteiligt.

22.9. 
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Chiffriertes Fernschreiben des Ministers Mielke an die Leiter der BV mit einer Dienstanweisung als Anlage, Signatur BV Dresden Stellv. Operativ 4 (1+2 Seiten).
Das MfS erwartete etliche Neubildungen von "Zusammenschlüssen", die es zu bekämpfen suchte — entgegen der Verfassung, die Vereinigungsfreiheit versprach.

23.9. 
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Dokument aus der BV Dresden über die Anordnung der vollen Dienstbereitschaft durch den Minister Mielke, Signatur BV Dresden Stellv. Operativ 4 (6 Seiten).
Die MfS-Spitze erkannte den Ernst der Lage richtig und war kampfbereit. Dem friedlichen Widerstand der Bürger hatte sie letztlich aber nichts entgegenzusetzen.

25.9. 
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Treffbericht aus der Abt. 8 der Hauptabteilung XXII über eine Unterredung mit dem IMS "Kosmos", Signatur AIM 186/91 (3 Seiten).
Eigentlich für BRD-"Extremismus" zuständig, sammelte die HA XXII/8 auch in der DDR emsig Stimmungsberichte. Immer noch Thema: der "Menschenhandel" (s. 19.9.).

26.9. 
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Information der Hauptabteilung XX/AKG über Aktivitäten von Vertretern des "Neuen Forums", Signatur HA XX/AKG 5624 (3 Seiten).
Die Gründer der als Sammlungsbewegung gedachten Vereinigung fanden sich mit der Ablehnung ihres Zulassungsantrags nicht ab. Wochen später hatten sie Erfolg.

27.9. 
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In Akten der für die "Bearbeitung" der Westjournalisten zuständigen Abt. 13 der Hauptabteilung II abgelegter Vermerk der ZAIG, Signatur HA II/13  1796 (1 Seite).
Laut einem RIAS-Bericht forderte eine DDR-Bürgergruppe die Abschaffung des  § 213 StGB (Republikflucht) wegen juristischer Bevorzugung der Ungarn-Flüchtlinge.

28.9. 
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Information 93/89 der AKG der BV Magdeburg zur Stimmungsentwicklung in der Bevölkerung, Signatur BV Magdeburg AKG 81 (4 Seiten, vgl. beim 6.9.).
Die Ablehnung der Zulassungsanträge des Neuen Forums u.a. Gruppen bewirkte nicht Resignation, sondern Solidarisierung und immer mutigere Aktionen: Das war neu!

29.9. 
 
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Chiffriertes Fernschreiben (CFS) der MfS-Zentrale an alle BV-Leiter, aufgefunden in Akten der BV Schwerin, Signatur BV Schwerin Ltr.BV 16 (2 Seiten).
Die Information richtete sich an die BKG (d.h. ZKG-Strukturen der Bezirke), deren Aufgabe das Zurückdrängen der Fluchtbewegung war. Ein zunehmend sinnloser Kampf.

30.9. 
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Information der Abt. XX der BV Halle über Planungen zu Veranstaltungen des Schriftstellerverbands im Bezirk, Signatur BV Halle/AKG  Sachakte 2927 (1 Seite).
Die Vermutung, dass politische Fragen thematisiert würden, bewog das MfS zum Einsatz diverser operativer Mittel und Kräfte (IM) — inklusive Überwachungstechnik.

Dieses Projekt wird ständig erweitert und verbessert.

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