[HT] Die Tägliche Stasiakte: MfS-Dokumente zu (fast) jedem Tag des Jahres.

 

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DIE  GRÖSSTE  STASI-AKTENSAMMLUNG  IM  WWW   —   MfS-DOKUMENTE  ZU  FAST  JEDEM  TAG  DES  JAHRES
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1.10. 
 
Schreiben des Neuen Forums an seine Anhänger, aufgefunden in Akten der Hauptabteilung VII des MfS, Signatur HA VII 235 (2 Seiten).
Details zur Versagung der Zulassung durch das MdI (Ministerium des Innern) und Ankündigung weiterer Aktivitäten, um doch noch die Zulassung zu erreichen.

2.10. 

 
Einschätzung des MdJ (Ministerium der Justiz), aufgefunden in Akten der Hauptabteilung IX, Signatur HA IX 5828 (7 Seiten).
Stellungnahme zu Problemen, die sich aus der massenweisen Flucht und Ausreise aus Sicht der SED-Justiz ergaben (vgl. beim 27.09.).

3.10. 
Dokumentenauszug mit Informationen der Abt. XX der MfS-BV Dresden, Signatur HA XX/AKG 449 (2 Seiten).
Nach der Ausreiseerlaubnis für die Prager Botschaftsflüchtlinge wurde die Grenze zur CSSR abgedichtet; Widerstand und Protest waren die Folge.

4.10. 
Maßnahmeplan und Informationen zur "Aktion Zug" der BV Dresden, Bereich des Stellvertreters Operativ, Signatur Dresden Stellv.Operativ 64 (4 Seiten).
Die Ausreise der Prager Flüchtlinge per Bahn über DDR-Gebiet provozierte Aufruhr. Die DDR-Passage sollte die staatliche Souveränität belegen — mit bösen Folgen.

5.10. 
Information 441/89 der ZAIG, die "Aktion Zug" betreffend,  Signatur ZAIG 3806 (7 Seiten).
Die vermeintlich gut "abgesicherte" Aktion endete beinahe in einem Fiasko, weil sich Zorn und Verzweiflung der Bevölkerung entluden.

6.10. 
Information der Hauptabteilung II, Signatur AIM 2553/91, und Weisung an die Diensteinheiten der BV Dresden, Signatur Dresden Stellv.Operativ 64 (je 1 Seite).
Während sich die Lage in Dresden weiter zuspitzte und das MfS aufrüstete, wurden selbst unter Teilnehmern des Berliner FDJ-Fackelzugs Protestansätze festgestellt.

7.10. 
 
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Plan der Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit während des 40. Jahrestages der Gründung der [DDR] aus Akten der ZAIG, Signatur ZAIG 7314 (30 Seiten).
Bestätigt von Mielke und Honecker,  erreichte der "Sicherungs"-Wahnsinn des MfS und der anderen bewaffneten Organe hiernach sein höchstes und letztes Stadium.

8.10. 
 
Information (Abschrift) der Abt. 7 der Hauptabteilung VII zu den Berliner "Ereignissen" vom 7. Oktober 1989, Signatur HA VII AKG 5291 (2 Seiten).
Kurzbeschreibung des brutalen Vorgehens von Volkspolizei (VP) und Stasi gegen Demonstranten ("Störer" aus Sicht des MfS). Die HA VII war für die VP zuständig.

9.10. 
ADN-Information aus Akten der für die Überwachung der Westjournalisten zuständigen Abt. 13 der Hauptabteilung II,  Signatur HA II/13  1796 (4 Seiten).
BRD-Bundeskanzler Kohl signalisierte der DDR-Führung Gesprächsbereitschaft — doch die greise SED-Spitze dachte nicht daran, dem "Klassenfeind" Reformen zuzusagen.

10.10. 
Information der AKG  der BV Karl-Marx-Stadt, Kreisdienststelle (KD) Plauen, Signatur BV Karl-Marx-Stadt AKG 398/Pl[auen] 557p/89 (5 Seiten).
Da keine Wasserwerfer verfügbar waren, missbrauchte das MfS die Feuerwehr gegen Demonstranten — die Freiwillige Feuerwehr weigerte sich fortan mitzumachen.

11.10. 
 
Information der BV Magdeburg, Abt. XX/4, KD Wernigerode, Signatur Magdeburg XX 2472, und Schreiben des Leiters der BV Gera, Sign. Gera BdL 1201 (4+2 Seiten).
Die Leitung der Evangelischen Kirche gab den einzelnen Gemeinden freie Hand, wenn diese dem Neuen Forum Räume zur Verfügung stellen wollten.

12.10. 
 
 
Information 105/89 des Büros der Leitung (BdL) — Leiter der BV Gera, Generalmajor Dangrieß —, Signatur Gera BdL 1201 (2 Seiten).
Kommando zurück (siehe beim 11.10.): Auf Druck der "Sicherheitsorgane" veranlasste Bischof Leich (beim MfS m.e. IM-Vorlauf registriert) den Widerruf der Erlaubnis.

13.10. 

 
Berichte der AKG  der BV Halle bzw. des VP-Präsidiums Halle, Signatur BV Halle/AKG, Sachakte 1103  bzw.  2842 (2+4 Seiten).
Eine Demonstration wurde aufgelöst.  Die beiden Dokumente machen bemerkenswert unterschiedliche Angaben zur Gewaltanwendung (Schlagstockeinsatz).

14.10. 
 
Information 115/89 der BV Magdeburg zur Stimmung der Bevölkerung, Signatur Magdeburg AKG 96, und Notiz der Abteilung M, Signatur Abt. M 298 (7+1 Seiten).
Zu den letzten Aktionen Honeckers zählten vorsichtige Schritte (Ankündigungen!) zur "Dialogbereitschaft" der SED — sie wurden "begrüßt", aber kamen um Jahre zu spät.

15.10. 
Weiterer Dokumentenauszug der BV Magdeburg, Signatur Magdeburg AKG 96, und Information 457/89 der ZAIG, Signatur ZAIG 3808 (1+4 Seiten).
Auflösungserscheinungen nun auch bei den "Kampfgruppen der Arbeiterklasse". Der vermeintlich "feste Klassenstandpunkt" erwies sich wieder einmal als Illusion.

16.10. 
 
ZAIG-Information "zur Lage im Bereich Kunst/Kultur", Signatur ZAIG 5377 (6 Seiten).
Den "Bereich" Kunst/Kultur "sicherte" die HA XX/7 (siehe 21.10.). Deren IM registrierten nun eine Flut kritischer Aktivitäten, auch von zuvor "linientreuen" Künstlern.

17.10. 
 
 
AKG-Dokumente aus den BV Rostock, Neubrandenburg, Magdeburg (Information 118/89); Sign. Rostock AKG 49, Nbg./XX 218, Magdeburg AKG 96 (1+2+8 Seiten).
Die unzähligen Informationen und Alarme, die ständig einliefen, trafen bei der Stasi bald auf keine geordnete Reaktion mehr. Das MfS war zum Zuschauen verurteilt.

18.10. 
Transkript
 
Lagemeldung der Hauptabteilung III, Signatur HA III 7785 (2 Seiten).
Eine Art "Stille Post": West-Reporter fragten Ost-Bürger nach Meinungen zum neuen SED-Chef Krenz — die HA III-"Funkaufklärer" meldeten die Resultate stolz nach oben.

19.10. 
 
 
 
Vorgabe des BV-Leiters für die BV-DE in Gera und Lageinformation der HA XX (AKG bzw. Abt. 8);  Signaturen Gera/BdL 1202 und HA XX/AKG 5624 (4+11 Seiten).
Noch wähnte sich das MfS im Vollbesitz seiner Kräfte; die "operative Arbeit" gegen die breite Volksbewegung sollte massiv verstärkt werden — "Hauptwaffe": die IM.

20.10. 
Chiffriertes Fernschreiben des BV-Leiters und Verteidigungsplan der KD Eisenberg, Signaturen [BV Gera] -BdL 1202 und -KD Eisenberg ZMA 01288 (2+3 Seiten).
Die Demonstranten riefen Dinge wie "Stasi in die Produktion" — welch' furchtbare Bedrohung! Das MfS reagierte mit Bürgerkriegsvorbereitungen.

21.10. 
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Weitere Analyse zum Kunst-/Kultur-/Medienbereich (vgl. beim 16.10.) — Einschätzung der Abt. 7 der HA XX, Signatur HA XX/AKG 5624 (18 Seiten).
Mittlerweile schlugen sich viele prominente "Kulturschaffende" auf die Seite der bislang eher isolierten Opposition. Die Macht der SED stand nun ernstlich in Frage.

22.10. 
Information 171/89 des Büros der Leitung (BdL), unterzeichnet vom Leiter der BV Suhl, Lange, Signatur BV Suhl/BdL 171/89 (4 Seiten).
Die Stasi-Filiale in Suhl unter Lange war besonders berüchtigt. Die Information lässt deren Abscheu vor den entstehenden Bürgerbewegungen deutlich anklingen.

23.10. 
 
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Bericht der BV Halle zu einer Demonstration, Signatur Halle/AKG 1174 (3 Seiten) und Information 470/89 der ZAIG, Signatur ZAIG 2811 (5 Seiten+2 S. Anlage).
Die Demonstranten in Halle forderten öffentlichen Dialog — er fand am 26.10. statt. Die ZAIG wusste durch die MfS-Spitzel, wie die Kirchenführung Krenz einschätzte.

24.10. 
 
 
 
Mitschrift eines vom Deutschlandfunk (BRD) live gesendeten Telefonats, aus Akten der Abt. 13 der Hauptabteilung II, Signatur HA II/13  1796 (6 Seiten).
Bärbel Bohley lud Wolf Biermann ein, auf der geplanten Demonstration am 4.11. aufzutreten. (Ihm wurde dann die Einreise verweigert, siehe künftig beim 4.11.)

25.10. 
 
ZAIG-Mitteilung zu den geplanten neuen Reiseregelungen, aufgefunden in Akten der Hauptabteilung XX, Signatur HA XX/AKG 498 (3 Seiten).
Praktisch täglich neue Probleme für die Stasi:  Zur Belastung durch die anschwellende Volksbewegung kam nun "Bearbeitungsbedarf" wegen des neuen Reisegesetzes.

26.10. 
Bericht über die Podiumsdiskussion im Volkspark Halle, Leiter der BV Halle u.a. an Mittig und die HA XX in Berlin, Signatur Halle/AKG Sachakte 1174 (4 Seiten).
Die Diskussions-, Dialog- und Rechtfertigungsversuche der alten SED-Führungskader scheiterten kläglich, sie hatten in den 40 Jahren jeden Kredit beim Volk verspielt.

27.10. 
Telegraph-Exemplar aus Akten der Hauptabteilung VII, Signatur HA VII 73 (1 Seite) und Information der ZAIG, Signatur ZAIG 3812 (3 Seiten).
Die Demonstrationen gingen weiter, die Bürger hatten Selbstbewusstsein gewonnen. Der Telegraph forderte die Fortsetzung der Proteste: Keine Atempause fürs MfS.

28.10. 
 
Mitteilung über Informationsbedarf der AKG der Abteilung 26, 1. Stellvertreters des Leiters, Signatur Abt. 26  450 (1 Seite).
Am Vortag hatte der Staatsrat eine Amnestie für politische Häftlinge beschlossen — die Entlassenen sollten aber durch das MfS weiter überwacht werden.

29.10. 
 
 
 
Vermerk über eine Beratung bei der SED-Bezirksleitung, Leiter der BV Berlin an den Stellv. Minister Mittig und die HA XX, Signatur HA XX/AKG 5624 (13 Seiten).
Die von Berliner "Kulturschaffenden" für den 4.11. geplante Demonstration wurde seitens des Staates durch Verbände, SED und MfS generalstabsmäßig vorbereitet.

31.10. 
 
Entwurf für ein Interview mit einem Führungskader des MfS aus dem Sekretariat des Stellv. Ministers Mittig, Signatur Sekr. Mittig 27 (9 Seiten).
Zitat: "Der ... 'Überwachungsstaat', das 'allgegenwärtige Spitzelsystem' existieren nur in den Alpträumen ihrer Erfinder" (!) — Dummerweise saßen die im MfS ...

Fortsetzung folgt !!

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